Grube Messel — Besucherinformationszentrum

Die ‘Grube Messel’ — ein stillgelegter Tagebau im hessischen Messel — ist heute eine weltberühmte Fossilienfundstätte, Deutschlands erstes UNESCO-Weltnaturerbe und von ausserordentlicher Bedeutung für die wissenschaftliche Erforschung und Auswertung der vorgeschichtlichen Funde. Mit ihren paläolontischen Sensationen wie dem zum Wahrzeichen der Grube avancierten ‘Urpferdchen’ ist die Grube ein ständig wachsender Besuchermagnet. Für die Konzeption und Planung der zahlreichen Medieninstallationen sowie des Architektur- und Vitrinenlichts in den öffentlichen Bereichen des neuen Besucherinformationszentrums zeichnet iart interactive verantwortlich.

In dem von den Architekten Landau + Kindelbacher realisierten, spektakulären Bau, der architektonisch die Strukturen des Ölschiefers in der Fundstätte aufgreift, vermittelt die von Holzer Kobler Architekturen gestaltete Dauerausstellung ‘Zeit und Messel Welten’ des neuen Besucherinformationszentrums faszinierende Einblicke in eine Welt längst vergangener Zeiten. Die Besucher dürfen unmittelbar eintauchen in die Schätze des Erdreichs, können in atmosphärischen Räumen fundierte Fakten und wissenschaftliche Hintergründe zur Geschichte der Grube und ihren wertvollen Fossilienfunden erfahren und auf unterhaltsame Weise die Dynamik der Welt und die treibende Kraft der Evolution erleben.

Beim Rundgang durch das Informationszentrum treffen die Besucher grundsätzlich auf zwei unterschiedliche Typen medialer Inszenierungen: Zum einen auf speziell entwickelte Inszenierungen wie einen dynamisch illuminierten Leuchtkasten, eine 360° Projektion und einen multimedialen Regenwald, zum anderen auf klassische Bildschirmanwendungen wie interaktive Informationsstationen, Kino oder Videostationen.

Dynamisch illuminierter Leuchtkasten
Im Foyer des neuen Besucherinformationszentrums weckt ein aussergewöhnlicher, 5 Meter breiter und mehr als 1 Meter hoher Leuchtkasten mit einem dynamisch beleuchteten Bild die Aufmerksamkeit der Besucher: Die atmosphärisch-künstlerische Installation zeigt ein Bild des für die Grube Messel so bedeutsamen Ölschiefers. Das Bild ist auf einer Plexiglasplatte aufgezogen, durch ryhythmisches Aufleuchten wirkt es dreidimensional. In diesem pulsierenden Leuchtkörper treten die verschiedenen Ebenen und Schichten des Schiefers hervor und führen dem Betrachter die Schönheit dieses Gesteins vor Augen.

360° Projektion
Um den Besuchern die faszinierende, aber nicht immer leicht zugängliche Geschichte der Jahrtausende alten Gesteinsschichten näher zu bringen, wurde eine 360° Projektion geschaffen, die die im Jahr 2001 tatsächlich durchgeführte Bohrung bis auf 433 Meter unter die Erde simuliert. In einem runden Raum sitzen die Besucher auf Bänken und erleben den rundum projizierten Film ‘2001 — Expedition Bohrloch’ als spannende ‘Aufzugsfahrt durch die Jahrtausende bzw. Jahrmillionen in die Tiefe’. Auf der Basis von einzigartigen hochauflösende Fotoaufnahmen vermittelt die Projektion den Eindruck, man befände sich innerhalb eines Bohrkerns, und ermöglicht aussergewöhnliche Einblicke in eine Welt, die normalerweise im Verborgenen bleibt. Die Ästhetik der Aufnahmen, die durch ihre Vergrösserung und somit Verfremdung noch gesteigert wird, lassen den Besucher atmosphärisch und inhaltlich in eine spannende und fremde Welt eintauchen. Eine statische Anzeige im Film gibt an, auf welcher Höhe die Besucher sich jeweils befinden. An vier geologisch spannenden Stellen verlangsamt sich die Fahrt, bis sie schliesslich ganz anhält. Der Film ‘zoomt’ die Betrachter in die jeweilige Gesteinsschicht hinein und es werden weitere Details ersichtlich. Per Ton, Typografie und visuelle Effekte wird Erkenntnisreiches zu den jeweiligen Schichten vermittelt, bevor die ‘Fahrt in die Tiefe’ weitergeht. Angekommen auf 433 Meter unter der Erde, können die Besucher ‘aussteigen’ und im angrenzenden Raum die originalen Bohrkerne besichtigen.

Multimedialer Regenwald
Im ‘Regenwaldraum’ können die Besucher mit Hilfe einer multimedialen Gesamtinszenierung erleben, wie das Leben zu einer Zeit aussah, als die ‘Grube Messel’ noch ein Kratersee und das Urpferdchen noch keine ausgestorbene Gattung war. Der gesamte Raum ist an den Wänden mit grossflächiger Pflanzengrafik bemalt. Auf diesem Hintergrund ‘wandern’ über verschiedene Spiegelscannersysteme bewegte Projektionen über die Wände: Abgestimmt auf einen festgelegten Tages- bzw. Nachtrhythmus sind ein Urpferdchen, ein Lemur (Halbaffe) und eine Fledermaus (bzw. ein Fledermausschwarm) zu sehen – alles Tiere, die als fossilie Exponate in der Ausstellung zu bestaunen sind und die hier als Animationen zum Leben erweckt wurden. Wechselnde Ton- und Lichtstimmungen bilden eine atmosphärische Basis, die die Besucher noch intensiver in die Welt eines urzeitlichen Regenwaldes eintauchen lässt. Sie strukturieren den simulierten Tagesablauf und suggerieren darüber hinaus unterschiedliche Wetterlagen. So ist im Regenwaldraum innerhalb von 6 Minuten ein kompletter Tag im Urwald zu erleben.

Kino
In einem ca. 14minütigen Kinofilm wird den Besuchern die Geschichte der Grube Messel vom ehemaligen Tagebau bis heute in Rückblicken vermittelt. iart ist verantwortlich für die Planung des gesamten „Kinoraums“ sowie die Auslobung eines Künstlerwettbewerbs, als dessen Ergebnis der extra für das Besucherzentrum gedrehte Kinofilm steht.

Filmstationen
An verschiedenen Orten im neuen Besucherinformationszentrum wurden Filmstationen eingerichtet, an denen wertvolle Informationen zu Ausstellungsgegenständen oder –inhalten vermittelt werden. Ein Highlight ist dabei die ‚Schaupräparation’: an einem Monitor können die Besucher via Liveübertragung das Mikroskopbild des hier arbeitenden Präparators verfolgen. Zu Zeiten, in denen kein Live-Bild erwünscht ist, wird hier ein Film der Arbeiten gezeigt.

Interaktive Medienstationen
An diversen Touchscreens lassen sich Informationen zu den verschiedenen Exponaten und Themenwelten des neuen Besucher-Informationszentrums einfach und intuitiv abfragen. Die interaktiven Medienstationen dienen der wissenschaftlichen Erklärung und Vertiefung sowie der Vermittlung von Hintergrundwissen.

Pressemitteilung von Holzer Kobler Architekturen zum Herunterladen

Projektbeschreibung zum Herunterladen

Berichte:
Artikel auf designlines.de
Artikel in Bauwelt
Bericht in der FAZ
Bericht auf echo-online.de
Bericht in der Badischen Zeitung
Bericht auf focus.de
Bericht auf german-architects.de
Fernsehbeitrag ARD
Fernsehbeitrag ZDF
Fernsehbeitrag RTL

Grube Messel — Besucherinformationszentrum
Eröffnung: 26. August 2010

Kunde
Land Hessen (D)
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Hessisches Baumanagement
Welterbe Grube Messel gGmbH

Auftraggeber
Holzer Kobler Architekturen, Zürich

Leistungen iart
Konzeption und Planung der Medieninstallationen
und des Architektur- und Vitrinenlichts in den öffentlichen Bereichen

Medien
360° Projektion
Multimedialer Regenwald
Dynamisch illuminierter Leuchtkasten
Videoscreens
Interaktive Medienstationen

Projektpartner
Landau + Kindelbacher, München, Architektur
Holzer Kobler Architekturen, Zürich, (Auftraggeber), Gesamtszenografie, Ausstellungsarchitektur und Interior Design
Visual Dope AG, Zürich, Illustration, Grafik und Signaletik
tegoro solutions ag, Basel, Inhalte und Realisation der Medieninstallationen ‘360°Projektion’ und ‘Multimedialer Regenwald’
ict AG, Kohlberg, Realisierung der Medienstationen Standard, Steuerung und Kino
MKT AG, Olching, Realisierung des Leuchtkastens
Kontrastfilm, Mainz, Drehbuch und Produktion des Kinofilms

Projektdauer
3 Jahre

Grube Messel — Besucherinformationszentrum
Grube Messel — Besucherinformationszentrum

Dynamisch illuminierter Leuchtkasten
Dynamisch illuminierter Leuchtkasten

Filmstation
Filmstation

360° Projektion
360° Projektion

Multimedialer Regenwald
Multimedialer Regenwald

Fernsehbeitrag Sat1

Fernsehbeitrag Hessischer Rundfunk

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