Die Fassade des Schweizer Pavillons auf der Expo 2010

Der Schweizer Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai war von einer halbtransparenten Fassade umhüllt, die mit Hilfe modernster Solartechnik Strom erzeugte und die Sonneneinstrahlung als gestalterische Kraft und Energiequelle sichtbar werden liess. Der Strom entlud sich in Leuchtdioden, die je nach Lichteinfall und Lichtintensität in unterschiedlicher Anzahl, Konstellation und Dauer aufblitzten: Sie leuchteten vereinzelt auf, interagierten miteinander und zogen in Schwärmen oder anderen Formationen über das Netz der Fassade. Jede Leuchtdiode war mitsamt der übrigen Technik auf einer Leiterplatte angebracht und von einer roten Schutzhülle eingefasst. Zusammen ergaben sie tellergrosse Elemente, die in unregelmässigen Abständen am Netz angebracht waren. Heute sind sie vor allem in China verteilt, und führen ihre Funktion bei ehemaligen Besuchern des Schweizer Pavillons weiter. Die so genannten Zellen wurden von iart interactive in Zusammenarbeit mit Buchner und Bründler Architekten konzipiert und gestaltet. Die Technik entwickelte und realisierte iart interactive gemeinsam mit tegoro solutions.

Die innovative und nachhaltig orientierte Schweiz

Durch die besondere Gestaltung und das reaktive Verhalten der Fassade sollte die Schweiz bereits aus der Ferne als innovatives, technisch fortschrittliches und ökologisch bewusstes Land wahrgenommen werden. Beim Nähertreten und Betreten des Pavillons konkretisierte sich nach und nach die Schweizer Vorstellung von der Stadt der Zukunft: eine hybride, vernetzte Stadt, in der Natur und Technik, Innovationskraft und Nachhaltigkeit symbiotisch funktionieren und interagieren.

10 000 interaktive LED-Zellen

Die von 20 Metern Höhe abgehängte Fassade bestand aus einem grobmaschigen Drahtseilnetz, an dem ab drei Metern Höhe 10 000 rote Zellen in unregelmässigen Abständen angebracht waren. Jede Zelle enthält eine – formal der Schweizer Landkarte nachempfundene – Platine mit Elektronik, die die interaktive Bespielung der Fassade ermöglichte: Solarzellen, zwei Doppelschichtkondensatoren (besonders leistungsstarke Energiespeicher), eine LED (Light Emitting Diode) und Sensoren, die auf Licht und auf benachbarte Zellen reagieren. Geschütz wird die Elektronik von einer roten, transparenten Hülle aus Kunstharz. Ein Feld mit kristalliner Struktur überlagert die Schweizer Landkarte so, dass sie nicht auf den ersten Blick sichtbar ist. Die Umrisse des kristallinen Feldes entsprechen dem Grundriss des Schweizer Pavillons, einer der Zylinder umfasst die Solarzellen.

Sonne als Energiequelle und Steuerungswerkzeug

Die Solarzellen erzeugen Strom, der im Kondensator gespeichert wird und sich im Aufblitzen der Leuchtdiode entlädt. Dank der Sensoren geschieht dies in Reaktion auf Lichteinstrahlung und in Abhängigkeit von der Lichtstärke. Je nach Lichtintensität blitzen die Zellen kürzer oder länger auf. Die Helligkeit des Blitzes ändert sich in Abhängigkeit von der Ladung und der Umgebungshelligkeit.

Das Eigenleben der Zellen

Die Zellen funktionieren jeweils autonom, sie führen sozusagen ihr Eigenleben. Durch Einsatz eines Mikrocontrollers wird jedoch auch ein reaktives Verhalten der Zellen untereinander erzeugt. Elektromagnetische Impulse bewirken, dass jede Zelle beim Aufblitzen das Leucht-Verhalten der Nachbarzellen beeinflusst. Vorausgesetzt mehrere Zellen befinden sich am selben Ort, wie an der Fassade des Schweizer Pavillons, entsteht eine Kettenreaktion. Dadurch konnten Schwärme von Blitzen entstehen, die über die Fassade zogen. So wurde eine Vernetzung sichtbar, die als massgebend für die Lebensqualität von heute und morgen erachtet werden kann.

Rural and Urban Interaction

Auf der Fassade und im Pavillon kam die hoch entwickelte Vernetztheit der Schweiz mehrfach zum Ausdruck. Anders als in China, trifft dies in der Schweiz nicht nur für die Städte, sondern auch für ländliche Regionen zu.
Die Vorderseite der Zellen repräsentiert die Aussensicht auf die Schweiz: Hinter rotem Kunstharz zeichnet sich ganz schwach die Schweiz mit einer weissen Grafik ab, die ihre Landschaft abstrahiert darstellt. Die Elektronik und Leiterbahnen sind von derselben Seite sichtbar und stehen für den urbanen Teil des Landes; die Städte, ihre moderne Infrastruktur und komplexe Vernetzung. Die Rückseite der Zelle zeigt die Schweiz von innen her gesehen. Die Bevölkerungsdichte in Stadt- und Landregionen werden anhand von grafischen Ringformationen lesbar.

Eine Fassade der Nachhaltigkeit

Nach Ende der Ausstellungsdauer wurden die Zellen als innovative Gadgets und Erinnerungsstücke verkauft. Dazu gab es ein Heft mit Informationen zu Aufbau, Funktion und Bedeutung der Zelle. So ist die Fassade direkt weiterverwendet worden und trägt ihre Botschaft sowie die Erinnerung an eine innovative und nachhaltig orientierte Schweiz in die Privathaushalte weiter.

Webseite des Schweizer Pavillons
Pressemitteilung iart zur Vorstellung des Pavillons am 29.04.2009
Bericht zur Medienorientierung durch Präsenz Schweiz auf NZZ Online vom 29.04.2009

Bericht über die Fassade auf dem chinesischen Fernsehsender CCTV.
Bericht über den Schweizer Pavillon in der Tagesschau vom 29.04.2009 (Real-Player benötigt).

Projektdokumentation zum Herunterladen

Die Fassade des Schweizer Pavillons auf der Expo 2010
Temporäre Ausstellung
Dauer: 01. Mai 2010 bis 31. Oktober 2010

Auftraggeber
Präsenz Schweiz

Leistungen iart
Konzeption, Planung und Realisierung der Medienfassade
Konzeption, Planung und Gestaltung der Fassadenelemente

Medien
Mit Solarenergie betriebene autonome Fassadenelemente (Zellen), die auf die Umwelt und aufeinander mit Blitzen reagieren.

Projektpartner
Buchner Bründler Architekten, Architektur
element design GmbH, Ausstellungsgestaltung
tegoro solutions ag, Realisierung der Zellenelektronik

Projektdauer
2 Jahre

Expo 2010 Shanghai – Fassade mit LED-Zellen
Schweizer Pavillon Expo 2010 Shanghai, Foto Mark Niedermann

Expo 2010 Shanghai – Fassade mit LED-Zellen
Blitz-Interaktion zwischen Besucherin und Fassade

Expo 2010 Shanghai – Fassade mit LED-Zellen
Fassade von innen her gesehen

Expo 2010 Shanghai – Fassade
Fassade des Schweizer Pavillons

Expo 2010 Shanghai – Platine
Platine ohne Hülle für die Fassade des Schweizer Pavillons auf der Expo 2010 Shanghai

Expo 2010 Shanghai – Platine in Entwicklung
Platine einer Zelle in Entwicklung

Expo 2010 Shanghai – Formstudie
Erste Formstudie zur Fassadenzelle

Die blitzende Fassade

Ausschnitt aus dem Bericht zur Expo im ARD Morgenmagazin vom 27.4.2010

Der Schweizer Pavillon auf Vimeo vom 28.10.2010

3 responses

  1. Don Gworek comments:

    When my cell arrived, I took it to Epcot, which is more or less a permanent World’s Fair. You might enjoy this series of amusing photos …

    http://wahoobeach.com/swissFriendAtEpcot/

  2. Anna Pfeiffer comments:

    Thank you for the nice report! We are happy to hear that you are taking so good care of your new friend and that you seem to get along so well together. We very much hope to see and read more about you two after your next trip.

  3. Anna Pfeiffer comments:

    …and thank you for the video from the pavilion lift on YouTube

Leave a comment